Ich hatte einen Traum…

Neulich Nacht hatte ich einen Traum, der mir sehr gut im Gedächtnis geblieben ist. Das ist sonst bei mir selten der Fall. Ich war mit meiner Familie in Schweden, machte Urlaub. Wir fuhren zu einem dieser Trödelläden, wo man uraltes Zeug für wenig Geld bekommt. Ich ging so durch die Reihen und betrachtete alte Phonographen, Radios und Schallplatten. Dann fiel mein Blick auf ein Gerät am Ende des Ganges. Eine Schreibmaschine. Eine alte, mechanische Schreibmaschine.

Ich war sofort begeistert. Das gute Stück sah fantastisch aus und schien auch noch zu funktionieren. Obwohl sie nur zehn Euro kosten sollte, kaufte ich sie aber nicht. Ich dachte mir, es bringt ja nichts diese Schreibmaschine zu kaufen, wenn ich dafür keine Farbbänder mehr bekomme.

Der Verkäufer trat an mich heran und las wohl meine Gedanken. Jedenfalls sagte er mir, dass diese Schreibmaschine ohne Farbband funktioniere und man sie mit Tinte auffüllen könne. Ich nahm das Gerät sofort mit. Zuhause setzte ich mich hin und fing an zu schreiben, stundenlang. Irgendwann wollte ich die Schreibmaschine wieder in ihren Koffer zurück packen, da fiel mir etwas auf.

Auf der Unterseite war ein Brief festgeklebt. Ich löste ihn ab, öffnete den Umschlag und las. Ein persönlicher Brief, ich kann mich nicht erinnern, an wen, sehr wohl aber an den Absender: Thomas Mann. Es stellte sich dann irgendwie heraus, dass ich die Schreibmaschine von Thomas Mann gekauft hatte!

Szenenwechsel

Ich muss wohl gerade eine Schreibpause gemacht haben, denn ich saß im Garten am Plastikgartentisch auf der Terrasse, als ein Auto am Vorgarten hielt. Ein Mann stieg aus, lief ums Auto herum und schien ein wenig aufgebracht. Er breitete eine Karte auf der Motorhaube aus und betrachtete sie, sah sich um, erblickte mich und winkte mich zu sich. Ich ging zu ihm und sah ihn fragend an. Er deutete auf die Karte und fragte mich auf englisch, wo er gerade sei. Ich zeigte es ihm. Es stellte sich heraus, dass er eine Autopanne hatte und nun ein Abschleppunternehmen rufen müsse. Währenddessen stieg ein zweiter Mann aus dem Auto aus, ich sah ihn erst nicht richtig. Bis er  auf deutsch etwas zu dem Fahrer sagte. Ich schaute ihn an und sah Günter Grass.

Ich ließ mir nichts anmerken. Die beiden unterhielten sich. Sie mussten zwei Stunden warten, bis jemand käme. Also sagte ich, auch auf deutsch, die beiden sollen sich doch zu mir in den Garten setzen, besser als im stickigen Auto zu warten. Ich würde einen Kaffee kochen. Sie zögerten, sagten dann aber zu. Ich kochte Kaffee und wir saßen im Garten. Irgendwie war nur noch Günter Grass da. Er saß also dort mit mir, trank Kaffe und rauchte Pfeife. Und wir unterhielten uns über Literatur und das Schreiben.

Irgendwann kam meine Familie wieder, wunderte sich über den Gast und setzte sich zu uns. Ich stelle ihnen Günter Grass vor und erwartete Staunen oder etwas Ähnliches. Aber nichts. Ich erklärte ihnen, dass es DER Günter Grass sei, doch sie blieben ratlos. Das war mir unheimlich peinlich und Günter Grass merkte das, sagte mir ohne Worte, dass es ihm nichts ausmache und erklärte dann: “Ich habe ein paar Bücher geschrieben”. Ich sagte, dass sie würden doch bestimmt die Blechtrommel kennen. Sie kannten nur den Film. Ich wollte im Erdboden versinken.

Der Abschleppwagen kam, Günter Grass stand auf, bedankte sich für den Kaffee und das interessante Gespräch, schrieb sich sogar meinen Namen und Adresse auf und sagte mir, er sähe sehr viel Potential in meinen Texten, ich sollte nicht aufhören zu schreiben. Ich sagte ihm, wie sehr mich das ehre und dann war er weg.

Ich ging zurück zu meiner Familie und begann zu schimpfen. Es konnte doch nicht sein, dass meine Familie einen der wichtigsten deutschen Autoren nicht kennt!

Dann wachte ich auf.

Ein ganz schön literarischer Traum. Und er blieb mir im Gedächtnis, bis heute. Es schien mir, also wolle dieser Traum niedergeschrieben werden und dies ist somit geschehen. Meine Familie weiß übrigens wer Günter Grass ist und was er so geschrieben hat, das will ich hier zu ihrem Schutze nicht unerwähnt lassen.

Und ihr lest mich dann spätestens nach dem nächsten Traum. ;)

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