Maurice, jetzt sag doch endlich auch mal was zu Stuttgart 21!
Gefühlt hat in den letzten Tagen jeder im Web, der oder die sich in meinem Sichtbereich befindet, etwas zu Stuttgart 21 gesagt. Ob auf Twitter, in Blogs auf Facebook oder in den Kommentaren eines Artikels zum Thema. Nur ich habe mich bisher nicht wirklich dazu geäußert.
Ich habe mir etwas angewöhnt, was viele Leute immer wieder verwirrt: Bevor ich meine Meinung zu etwas los werde, versuche ich mir den Sachverhalt erst einmal in Ruhe anzusehen und für mich zu bewerten. Das führt dann dazu, dass ich nicht immer direkt etwas zum Thema sage, was immer mal wieder mit Desinteresse verwechselt wird (manchmal stimmt das auch, das gebe ich zu).
Ich schaue mir also seit geraumer Zeit an, was dort in Suttgart so los ist und habe es bisher vermieden etwas dazu zu sagen. Was daran liegt, dass ich nicht weiß, auf welche Seite ich mich stellen soll.
Auf der einen Seite ist mir bekannt, dass die Idee zu dem Projekt bereits seit 1988 existiert und 1994 offiziell vorgestellt wurde. Die betroffenen Menschen hatten also 16 Jahr lang Zeit, gegen das Projekt anzugehen. Demokratische Entscheidungen zu beeinflussen. Da frage ich mich natürlich, warum die Proteste erst so spät begonnen haben.
Auf der anderen Seite, hörte ich, dass es wohl nicht gerade einfach gemacht wurde, während dieser 16 Jahre Einfluss zu nehmen. Dass es Initiative schon länger gab, diese aber erst mit Beginn der Demonstrationen ins öffentliche Licht gerückt wurden.
Das Problem für mich ist ganz einfach folgendes: Ich war nicht dabei. Ich habe meine Informationen nur aus den Nachrichten, aus Blogs und Interviews. Und da herrscht gerade eine ziemliche Schwarz-Weiß-Kultur. Die einen sind strikt für das Bahnprojekt, die anderen genauso strikt dagegen. Zwischen diesen beiden Fronten scheint es eine Art Vakuum zu geben. Beide Seiten haben einleuchtende Argumente.
Ja, aber diese Polizeigewalt! Sag doch da mal was dazu, das ist ja nun offensichtlich!
Polizeigewalt. Hmm, ja. Ich lebe ja in Hamburg. Großstadt. Viele Demos. Schanzenfest. Das, was dort gerade in Stuttgart passiert, erlebt man hier in Hamburg (wenn man die Augen nicht ganz verschließt) mehrfach im Jahr. Mindestens ein Mal, beim Schanzenfest. Man kann sicher sein, sobald die Nacht heranbricht, fangen auch die ersten Mülltonnen an zu brennen. Und immer wieder wird das Thema Polizeigewalt angesprochen.
Ich bin jemand, der es gut findet, wenn Menchen für Ihre Rechte auf die Straße gehen. Das mache ich auch. Ich gehe immer wieder auf Demonstrationen. Ich bin, zum Glück, bisher nie mit Polizeigewalt in Berührung gekommen.
Ich bin gegen Gewalt.
Mir ist egal, von wem die Gewalt ausgeht. Gewalt ist immer das unterste Glied in der Kette der Problemlösungen. Gewalt ist meistens etwas sehr Emotionales, kann sich hochschaukeln, außer Kontrolle geraten.
Es kann nicht sein, dass Menschen, als Folge von Polizeitgewalt auf friedlichen Demonstrationen, Teile ihrer Sehkraft einbüßen. Es kann nicht sein, dass Kinder geschlagen werden.
Es kann nicht sein, dass dem Staat verboten wird, sein Recht auszuüben, während man selber demonstriert um Recht zu erlangen. Sein Recht fordert.
Die Polizeit als Exekutive muss genauso, wie sie die Interessen der Bürger schützen soll, auch die Interessen des Staates schützen. Wir haben das Recht zu demonstrieren, wir haben aber nicht das Recht, auf Polizeitautos zu klettern und dort zu verharren. Natürlich ist die Symbolik hoch, gerade, wenn es sich dann auch noch um Kinder handelt. Aber man muss schon sehr naiv sein, zu glauben, der Staat könne hier eine Ausnahme machen und die Kinder unbehelligt auf dem Auto lassen (Dies jetzt nur als Beispiel).
Wer fordert, dass der Staat härter zugreift (was immer wieder gefordert wird, wenn z.b. die Randale-Bilder aus der Schanze im TV flimmern), der muss natürlich auch damit rechnen, dass der Staat dies in jedem Fall tut. Denn Ausnahmen kann es hier nicht geben, das wäre genau die Dehnbarkeit der Gesetze, die wir so oft anprangern.
Aber auch hier das Problem. Ich war nicht dabei. Ich habe Polizeigewalt nicht wirklich gesehen. Ich habe blutende Menschen gesehen. Ich weiß nicht, was dazu führte und ich weiß nicht, was die Gewalt verursacht hat. Ich kenne ein paar YouTube-Videos, die zeigen wollen, dass die Polizei brutal vorgeht. Bei einigen muss ich sagen, ja da wird eine Grenze überschritten, bei anderen kann ich die Reaktion der Demonstranten nicht verstehen. Schwarz und Weiß.
Ich kriege meine Informationen hauptsächlich aus Augenzeugenberichten und die sind nicht gerade objektiv. Damit habe ich so meine Probleme. Ich habe auch Probleme mit strikten Schwarz-Weiß-Denken. Das führt nie zu einem guten Ziel.
Ich habe einfach keine Ahnung, was in Stuttgart gerade wirklich los ist. Und ich behaupte mal, dass verdammt viele der Leute, die zuhause am Computer sitzen und kritische Blogtexte über das Thema schreiben, genauso wenig Ahnung haben, wie ich.
Noch mal: Ich habe keine Ahnung, was in Stuttgart wirklich passiert. Und für mich gilt: Wer keine Ahnung hat, sollte einfach mal die Schnauze halten.
Sehr vernünftiger Beitrag zu #S21 RT @mauricehh
Warum ich bisher nichts zu #s21 gesagt habe: http://bit.ly/aTNe44
Guter Artikel! Geht mir genau so. Ich weiss nicht, was da abgeht, aber beide Seite machen Fehler.
Dem ist nichts hinzu zu fügen
außer Bestätigung! Danke für diese Meinung.